Das Piercen


Wer schön sein will, der muss bekanntlich leiden. Dieses Prinzip gilt auch beim Piercen, denn wer eine bestimmte Körperstelle mit einem Schmuckstück dekorieren möchte, der muss sich erst einmal die Haut durchstechen lassen. Aber keine Sorge, im Endeffekt ist alles halb so schlimm und der Schmerz geht auch ganz schnell vorbei!

Methoden des Stechens

Das Stechen eines Piercings besteht aus mehreren Schritten. In erster Instanz findet eine Beratung durch den Piercer Deines Vertrauens statt. Wenn Du bereits weisst, welche Körperstelle Du Dir durchstechen lassen möchtest, also ob das Piercing nachher ein Helix-Piercing oder doch eher ein Bauchnabel-Piercing werden soll, wird mithilfe eines Tattoo-Haut-Stiftes (hierbei handelt es sich um einen hygienischen und hautverträglichen Filzstift), die Stelle markiert, die gepierced werden soll. Nun liegt es an Dir, zu entscheiden, ob die Platzierung so ist, wie Du es Dir vorgestellt hast oder, ob noch einmal erneut angesetzt werden muss. Sobald alles stimmt, kann die zu piercende Stelle gründlich desinfiziert und mit dem eigentlichen Prozess des Stechens losgelegt werden.
Sobald es ernst wird, hat die Piercingzange ihren Auftritt. Hierbei handelt es sich um eine Zange, deren Klemmen ringförmig sind. Diese spezielle Zange wird nun über den Ein- und Austrittspunkt Deines zukünftigen Piercings platziert und hält die betroffene Hautpartie während des Piercens an Ort und Stelle. Nun folgt der (kurze) schmerzhafte Part, denn Dein Piercer sticht vorsichtig einen sogenannten peripheren Venenkatheter durch die markierte Hautstelle. Bei diesem Katheter ist die eigentliche Nadel von einem Teflon- oder Plastiküberzug umhüllt. Die Nadel kann also nach dem Stechen herausgezogen werden und lediglich der Plastiküberzug bleibt im Stichkanal stecken. Durch ihn wird nun das eigentliche Piercing vorsichtig eingesetzt. Nachdem nun der Teflon- oder Plastiküberzug ebenfalls entfernt wurde, kann das Piercing mithilfe einer Kugel verschlossen und erneut desinfiziert werden.
Natürlich ist nicht jede zu piercende Stelle leicht zugänglich. Für solch schwierige Fälle nutzen Piercer häufig sogenannte Receiving Tubes. Mithilfe dieser Tubes ist es möglich, einen Gegendruck zu erzeugen, damit die Nadel abgefangen wird, bevor sie umliegendes Gewebe verletzen kann.
Wer es nicht bei einem normalen Piercing belassen möchte, sondern schnell ein Piercing mit einem grösseren Durchmesser tragen möchte, der kann nach einem Piercing-Studio recherchieren, in welchem die Dermal-Punch-Methode durchgeführt wird. Hierbei werden Gewebeteile mit einer Hohlnadel durchstochen, die einen Durchmesser von bis zu acht Millimeter haben kann. Die betroffene Stelle wird quasi gestanzt. Der Vorteil dieser Piercing-Methode ist, dass das Gewebe vollständig entfernt wird und so weniger Druck auf den Schmuck ausgeübt wird. Dadurch heilen Piercings, die mit der Dermal-Punch-Methode gestochen wurden, in der Regel deutlich schneller.
Natürlich gibt es darüber hinaus eine Vielfalt an Methoden, mithilfe derer Schmuck Deine Ohren, Deine Nase oder auch Deinen Bauchnabel schmücken kann. Gerade Piercings in den Ohren oder in der Nase werden häufig mithilfe einer Ohrlochpistole geschossen. Professionelle Piercer raten von dieser Methode jedoch ab, denn durch das Schiessen durch die Haut besteht die Gefahr, dass das Gewebe reisst oder Knorpel splittert. Dadurch vergrössert sich die Heilungszeit enorm. Passe also beim Piercen immer darauf auf, dass Du einen professionellen und erfahrenen Piercer aufsuchst, denn Deine Gesundheit sollte immer an erster Stelle stehen.

Schmerzen beim Stechen

Wer sich bereits genauer mit dem Prozess des Piercens befasst hat, der ist sich der Tatsache bewusst, dass eine Spitze Nadel in eine Hautstelle ein- und wieder ausstechen muss, damit Schmuck eingesetzt werden kann. Dieser Vorgang des Stechens findet zwar nur ganz kurz statt (das Durchstechen der Haut dauert in der Regel nicht länger als eine Sekunde), jedoch wird der dabei auftretende Schmerz von unterschiedlichen Personen in unterschiedlicher Intensität wahrgenommen. Wer von sich selbst weiss, wie schmerzempfindlich er ist, der kann auch ungefähr einschätzen, wie schmerzhaft das Stechen eines Piercings für ihn ist.
Natürlich bestimmt auch die Platzierung des Piercings, wie stark die Schmerzen beim Stechen sind. Piercings an der Nase, in den Ohrläppchen oder in der Zunge werden dabei von den meistens als wenig schmerzhaft wahrgenommen. Grundlegend gilt: Je weicher das Gewebe, durch welches gestochen wird, desto sanfter ist das Stechen. Harter Knorpel in den Ohren zum Beispiel wird oftmals als schmerzhafter empfunden und die Heilung benötigt dementsprechend mehr Zeit. Auch spielen die Nervenbahnen und -enden eine grosse Rolle bei der Schmerzintensität beim Piercen. Empfindliche Stellen, wie die Brustwarzen, schmerzen beim Durchstechen dementsprechend stärker. Schlussendlich ist dieser Schmerz jedoch auch nur von kurzer Dauer und lässt schnell nach.
Während der Abheil-Phase nach dem Stechen kann es natürlich weiterhin zu einer Berührungs- oder Schmerzempfindlichkeit kommen. Diese sollte aber mit der Zeit immer weiter abnehmen, bis Du keine Schmerzen mehr spürst. Sollte dies bei Dir nicht der Fall sein oder das Gewebe rund um die Einstichstelle sogar warm werden und pochen, ist es ratsam, Deinen Piercer erneut draufgucken zu lassen, um Entzündungen und Komplikationen zu vermeiden.

Betäubung während des Stechens

Grundlegend ist es natürlich möglich, die betroffene Stelle örtlich mithilfe von einer Regionalanästhesie oder von Salben und Cremes zu betäuben. Ratsam ist dieses Vorgehen jedoch nicht unbedingt. Zum einen benötigt Dein Piercer eine spezielle medizinische Ausbildung, um Dir eine solche Betäubung anbieten zu können. Wenn Dein Piercer Dir darüber keinen Nachweis liefern kann, arbeitet er also nicht professionell und ist nicht befugt, eine solche Betäubung zu nutzen, denn aus solch einer einfachen Betäubung können schneller schwerwiegendere, gesundheitliche Probleme entstehen.
Darüber hinaus ist das Betäuben vor dem Piercen auch nicht unbedingt logisch. Wer sich für eine Regionalanästhesie entscheidet, der ersetzt den Schmerz des Stechens des Piercings mehr oder weniger durch den Schmerz des Stechens der Spritze mit dem Betäubungsmittel. Salben und Cremes können währenddessen nur die oberen Hautschichten betäuben, weswegen der Schmerz trotzdem zu spüren sein wird. Schlussendlich solltest Du den Schmerz und die Berührungsempfindlichkeit während und vor allem nach dem Stechen wertschätzen, denn nur dadurch wird Dir immer wieder bewusst, dass Du in der Abheil-Phase vorsichtig mit Deinem neuen Schmuck umgehen solltest und Berührungen auf ein Minimum beschränken musst. Schlussendlich lohnt sich eine Betäubung während des Stechens einfach kaum, denn das Stechen selbst ist innerhalb weniger Sekunden durchgeführt. Wer trotzdem Angst hat, der sollte es vielleicht zunächst einmal mit einem Fake-Piercing versuchen. So kannst Du ausprobieren, ob ein echtes Piercing an der jeweiligen Stelle Dein Ding ist und musst trotzdem nicht auf einen coolen Style verzichten.

Heilung

Wer sich ein Piercing stechen lässt, der hat schlussendlich eine Wunde am Körper, in der ein Fremdkörper, also der Piercingstab, sitzt. Um diesen Piercingstab herum wird während der Heilung ein schlauchförmiger Stichkanal aus Haut gebildet. In den ersten zwei Wochen nach dem Stechen ist das Gewebe rund um den Schmuck stärker durchblutet als es normalerweise der Fall ist. Deswegen kann es sein, dass die Haut sich leicht rötet und etwas anschwillt. In manchen Fällen wird sie sogar etwas wärmer. Erst, wenn die Haut unangenehm warm ist und anfängt, zu pochen, solltest Du ein Auge von Deinem Piercer drauf werfen lassen. Dass eine helle Kruste an den Enden des Stichkanals entsteht, ist übrigens vollkommen normal. Hierbei handelt es sich um Wundsekret, welches bei der Heilung in den ersten Tagen nach dem Stechen auftritt. Sollte die Haut rund um Dein Piercing jedoch anfangen, gelblich zu eitern, ist es auch hier wichtig, schnell einen professionellen Piercer aufzusuchen und Massnahmen zu ergreifen, damit Dein Piercing bald wieder normal und gesund abheilen kann.
Die Dauer der Heilung variiert von Piercing zu Piercing. Piercings, welche in weiches Gewebe gestochen werden, heilen in der Regel schneller ab, denn das Gewebe ist gut durchblutet und mit viel Sauerstoff versorgt. Piercings, welche durch Knorpel gestochen werden, wie das Helix-Piercing zum Beispiel, benötigen etwas mehr Zeit, um zu heilen. Grund dafür ist, dass Knorpel nicht durchblutet ist und den Sauerstoff und die nötigen Nährstoffe nur aus der Haut beziehen kann.
Die folgende Liste zeigt Dir, wie lange die Heilungsdauer der verschiedenen Piercings in der Regel ist. Bei genaueren Fragen und Bedenken ist es dabei aber immer ratsam, Deinen Piercer zu kontaktieren.
- Augenbrauen-Piercing: 6-8 Wochen
- Bauchnabel-Piercing: 3-6 Monate
- Brustwarzen-Piercing: 2-6 Monate
- Klitoris-Vorhaut-Piercing: 4-6 Wochen
- Lippen-Piercing: 4-8 Wochen
- Lippenbändchen-Piercing: 1-2 Wochen
- Nasenflügel-Piercing: 6-9 Wochen
- Ohrknorpel-Piercing (z.B. Helix): 2-6 Monate
- Ohrläppchen-Piercing: 4-8 Wochen
- Septum-Piercing: 4-8 Wochen
- Zungen-Piercing: 2 Wochen

Massnahmen zur Beschleunigung der Heilung

Wie schnell Die Haut und das Gewebe rund um Deinen Stichkanal abheilt, liegt zu einem grossen Teil auch selbst in Deiner Hand, denn Du kannst einiges tun, um Deinem Körper die Heilung zu erleichtern: - Fasse Dein Piercing nur mit gewaschenen Fingern an, wenn überhaupt. Je weniger Dein Piercing in den ersten Tagen nach dem Stechen berührt wird, desto besser. Solltest Du es doch berühren müssen, ist es immer ratsam, Dir die Hände gründlich zu waschen und dann das Piercing nur sanft zu berühren und vorsichtig von Kruste oder Schmutz zu befreien. - Reinige das Piercing mit einer Kochsalzlösung oder einem Antiseptikum (bitte nutze nur Antiseptika, die Dein Piercer Dir mitgibt). Nutze dafür einfach ein Wattestäbchen und tupfe die Lösung vorsichtig rund um den Stichkanal. - Meide Saunen, Schwimmbäder, Badeseen und Deine Badewanne. In den ersten Wochen nach dem Stechen solltest weder lange baden noch die Sauna besuchen, denn dadurch erhöht sich die Gefahr, dass Keime die Heilung Deiner Wunde verlangsamen. Gegen das tägliche Duschen spricht natürlich nichts, jedoch solltest Du auch da aufpassen, dass Dein Stichkanal nicht zu stark gereizt oder belastet wird. - Nimm Dein Piercing während der Abheil-Phase niemals aus dem Stichkanal. Sollte dieser sich entzündet haben, weswegen die Haut um die Wunde herum anschwillt, solltest Du in jedem Fall einen Piercer aufsuchen, der Dir den Schmuck unter hygienischen Zuständen austauschen kann. Wer dies in Eigenregie versucht oder denkt, dass ein kurzes Herausnehmen des Schmucks möglich ist, der muss im schlimmsten Fall mit der Konsequenz rechnen, dass Entzündungen auftreten, der Stichkanal zuwächst oder sich Narben bilden.